Donnerstag, 20. Januar 2011

You're a mean one, Mr.F. (auf ins neue Jahrzehnt)

In diesem Jahrzehnt soll ja alles ganz anders werden.
Aber erstmal geht es so weiter wie immer.

Ich frage mich ja die ganzen Jahre hindurch warum wir uns beim erfüllten RPG Spass selber im Weg stehen. Eigentlich jeder in meinen Runden, und ich vorneweg, findet über kurz oder lang in einem gespielten System etwas so übel, so mies designt, hinderlich oder einfach nur einen anderen Geschmack ansprechend, daß es mit fortschreitender Spieldauer immer schwieriger wird damit Spass zu haben. Es gärt so lange bis einem die Galle hochkommt, weil man den verklärten Traum eines sauberen Regelwerks mit der Realität vergleicht. Anstatt zu spielen wohlgemerkt. Ich kann das inzwischen sogar mitteln. Ungefähr 6 Monate dauert das. Diese Unzulänglichkeiten sind häufig ohne massive Hausregeloperationen am offenen Systemherzen auch schwer zu beheben. Das es dann haufenweise Internetweise gibt, die einem die Zugunglücke von Rollenspielsystem für das Beste seit geschnitten Brot verkaufen wollen, hebt natürlich nicht die Stimmung gegenüber der Spielerschaft.
Die Ansprüche an fest definierte, zuverlässige, gut gemachte Regeln sind bei uns also so hoch oder sagen wir so speziell - und ich möchte behaupten, daß ich sehr aufgeklärte Runden habe - daß das System irgendwann weg muss.
Ja, wenn das mal so einfach wäre. Es steckt Zeit darin, Lernaufwand. Es steckt Geld darin. Und nicht zuletzt Eingewöhnung und erspielte, hochgezüchtete Charaktere. Sowas kann man nicht einfach über Bord werfen.

Das haben wir natürlich trotzdem gemacht. Mindestens sieben Mal. Aber nie hat ein System danach die Ansprüche für alle gleichermaßen erfüllen können. Mittlerweile scheuen wir Wechsel und ziehen die trägen Esel von Spielsystemen hinter uns her. Das zehrt natürlich gewaltig an den kreativen Batterien, denn Regelsysteme sollen ja unterstützen.

Jeder mit dem ich im Internet rede (per PN oder in Foren) erklärt das für bekloppt oder seltsam. Wie kann man bei Systemen so lange bleiben, die man offensichtlich scheisse findet? Einer meiner Mitspieler meinte, er habe wohl eine masochistische Ader. Ich sage dann meistens, daß es keine brauchbaren Alternativen gibt, wohin also wechseln? Dann kommt, wie heute Nachmittag, jemand und sagt: "Na dann baut doch was Eigenes. Ist sowieso am Besten. Haben wir auch gemacht".
Dann sage ich: Nee, das geht nicht, weil das entweder ein Projekt eines einzelnen ist, wodurch das Problem bestehen bleibt, daß es nicht jeder mag. Oder jeder macht mit, wodurch es ein fauler Kompromis wird. Rollenspieler sind zu unterschiedlich.
Und ausserdem hat sowieso jeder von uns schon mal ein eigenes Rollenspiel geschrieben. Selbstredend. Aber professionelle Spieledesigner sind wir ja auch nicht. Und einfach sagen: '"gut , dann sind wir eben wieder mit weniger zufrieden'" geht ja ebenso wenig. Fürs Vergessen sind wir dann doch noch zu jung. Ja, auch Back to teh rootz haben wir versucht.

Es ist schon eine verfahrene Angelegenheit. So lange das Hobby ein Spielplatz für Freizeitbastler und Möchtegerndesigner ist werden wir wohl kein zufriedenstellendes Regelsystem finden. Und die wenigen professionellen Rollenspiele die sich aus der Masse heben, und die gibt es, erfüllen leider nicht den Geschmack meiner zwei Runden. Das andere Problem sind die Trends. Erst werden einem jahrelang obskure Indiesysteme um die Ohren geknallt. Dann hagelt es OldSchool D&D Klone. Aber kein Gedanke wird zuende gebracht. Danke, ich brauche nur EIN gutes System von jeder Sorte und keine Systemstudien.
Da frage ich mich schon, ob es zu viel verlangt ist für jedes Genre und jeden Spielstil ein paar wenige hervorragend designte Rollenspiele zur Verfügung zu haben. Oder ob die Rollenspielindustrie sich von den Ansprüchen der Kunden einfach hat komplett abhängen lassen. So als würden nur gelbe Autos verkauft werden. Die meisten ohne Motor. Oder ob ich in absoluten Ausnahmerunden sitze, die einfach durch das Kundenraster fallen. Jedenfalls fällt es uns schwer noch Spass an Systemen zu haben, die so wirken wie ein Erstversuch von 1984, und die Optionen schwinden zunehmends.
Früher war man noch begeistert von den neuen RPGs, da waren die Autoren etwas wert. Heute weiss sowieso jeder selber alles besser. Da müssen die Regelsysteme einfach mehr bieten.

Trotzdem ein erfolgreiches neues Jahrzehnt und viel Erfolg, Rollenspielhobby!
Nicht einschlafen.

Kommentare:

  1. Man hat halt mit der Zeit auch höhere Ansprüche. Die muss man entweder vergessen oder tatsächlich selbst Hand anlegen. Ein paar geschickt gewählte Hausregeln können ja reichen. Und nach 6 Monaten denkt man sich ne neue aus und wirft vielleicht alte über Bord. Dann hatm na ja quasi ein "enues" System, an dem man erst einmal Fehler finden muss. Und vielleicht wird man mit der Zeit so gut, dass die Hausregeln wirklich die Probleme auch langfristig ganz gut in den Griff kriegen. Aber das perfekte Systme gibt es nicht, auch weil sich der eigene Spielstil ja entwickelt.

    Aber werde nicht zum "Regelsystem-Hypochonder". Ab und zu einfach mal tief durchatmen und.. Keine ahnung.. die Playstaiton rausholen und Pixel umballern?

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  2. ich halte Hausregeln bislang auch noch für den besten Kompromis. Nur fehlt es uns erstmal an einem guten Grundgerüst. Zitat eines Mitspielers "Das System X ist nicht mehr zu retten. Das müsste man von Grund auf neu anziehen (..wozu ich keine Lust habe)".
    Leider kommt noch dazu, daß es in meinen zwei Runden Strömungen gibt, die der Ansicht sind, daß sich ein Regelsystem falsch anfühlt, wenn man zu viel ändert.

    Von Pixelbetäubung halte ich nix. Ich zocke natürlich schon,aber das löst ja keine Probleme. Ich finde es einfach schade, daß an wenigen Dingen so geringe Qualitätsansprüche gelegt werden, wie ans Rollenspiel. Womit die Leute sich da teilweise zufrieden geht auf keine Kuhhaut. Da macht dann das Diskutieren in den Foren auch keinen Spass.
    Früher fand ich DSA4 auch supi. Heute ist man eher in der Lage mitzureden.

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  3. Ich sehe zwei Lösungs-Möglichkeiten und BEIDE haben etwas mit Selbstbeschränkung zu tun.

    Variante 1:
    Dokumentiert euere Spielweise, euere Präferenzen. Vielleicht versucht jeder Mitspieler zu beschreiben, was jeder einzelne andere am Rollenspiel mag, wie er sein Rollenspiel mag, welche Charaktere er gern spielt, wie seiner Meinung nach ein Rollenspiel geleitet gehört, was gute Regeln auszeichnet, ...
    Nach erfolgter Auswertung und Aushandeln eines "Auf so ein Spiel würden wir uns alle einlassen." könnte die Suche nach einem neuen System beginnen. Vielleicht lohnt es sich auch, wenn jeder zusätzlich einen Bereich festlegt, in dem er hinter die Mindestanforderungen/den Kompromiss zurücktreten würde. (Ein Schritt der schon deswegen sinnvoll ist, weil die Erwartungen dann nicht gleich wieder extrem hoch sind.)

    Variante 2: Sucht euch ein Spiel, das ihr irgendwie interessant findet und lasst euch voll und ganz auf die Regeln ein. Macht eueren Spielstil von dem System abhängig. Spielt genau so, wie das System es euch vorgibt. Werft eigene Anforderungen über Bord. Arbeitet konsequent mit den Regeln.
    Vielleicht hilft ein solches Experiment euch neu auf Spielregeln einzulassen. Ihr müsst das System dann ja nicht eine Ewigkeit spielen.


    Als dritten Weg gäbe es da noch Flux.
    Damit könntet ihr TROTZ System-Hopping eine Kampagne spielen. Infos dazu @
    https://abenteuerzentrale.wordpress.com/2011/01/12/boses-flux-kusch-zuruck-ins-korbchen/

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  4. Ob es nun Pixelbetäubung ist oder nicht, ich meinte damit generell, mal abzuschalten, damit man sich in nichts rein steigert. Aber es muss doch auch für Euch Systeme geben, die eine gute Basis haben und die man mit einer überschaubaren Menge Hausregeln hin bekommt. Es gibt ja unendlich viele Systeme. Ich bin aj selbst bei sowas eher zickig, aber das habe ich dann doch immer noch hinbekommen.

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