Donnerstag, 1. November 2012

Musical: Das Schicksal von Cysalion

Toi, toi, toi hieß es wohl wieder letztes Wochenende (26+27.10) hinter der Bühne des Kulturzentrum Herne, als ich die Gelegenheit hatte, das Fantasy-Musical "Das Schicksal von Cysalion" der beiden Autoren Marc Blasweiler und Peter Groß-Paass mitzuerleben, das schon 2010 uraufgeführt wurde. Für mich eine unerwartet positive Überraschung. Gerade weil ich kein besonders leidenschaftlicher Muscial-Fan und -Kenner bin, ist dieser Bericht Respektbezeugung vor der beeindruckenden Leistung, die die Gruppe Ring-Stars im Rahmen ihrer Möglichkeiten (!) hingelegt hat und so auch "fantasyfremde" Besucher im wahrsten Sinne eine Bühne bot und in unser Hobby hineinzog.
(Quelle: Pressebild, Cysalion.de)

Auf der Welt Cysalion schwelt ein Konflikt zweier konkurrierender Königreiche. Unter der Oberfläche agiert ein bösartiger Geheimkult, der beide gegeneinander ausspielen will, während zeitgleich eine mächtige Räuberbande versucht, gewinn daraus zu schlagen und überirdische Mächte aus grauer Vorzeit die Welt betreten, um sie nach ihren Vorstellungen zu formen. 
Dem entgegen wirft sich eine lose Gemeinschaft bestehender und künftiger Helden: Königssohn und -Tocher, ein unsterblicher Krieger, Elfen und Zwerge, zwei eifrige Mädchen, von denen eine auf besondere Weise mit Cysalion verbunden ist, sind nur ein kleiner Teil der Figuren, die von über 40 Darstellern in dem über dreistündigen Stück zum Leben erweckt werden.
Kennt man? Ja, das kennt man schon. Und hier liegt die Krux begraben. Die bekannten Fantasyversatzstücke kommen hier auf geschickte und gar nicht mal so schnörkellose Weise in mehreren, parallel verlaufenden, temporeichen Handlungssträngen zusammen. Diese schlägt beim triefenden Kitsch genauso wie bei erbarmungsloser Darstellung zwar schon mal über die Stränge, liefert aber eine Quintessenz dessen, was der triviale Fantasykult heute inhaltlich wie optisch ausmacht und in dessen Abwechslung sicher jeder etwas finden kann, was ihm gefällt. So etwas zieht man nicht auf, ohne sich damit auseinander gesetzt zu haben.
Wäre ich informiert dort erschienen, hätte ich sicher mitbekommen, dass das Ensemble bereits unter Anderem für humorvolle Interpretationen des "Herr der Ringe" auf diversen Fantasy-Festivals und Conventions bekannt ist. "Von Fans für Fans" ist ein Motto der Ring-Stars und ihre Projekte größtenteils Hobbyprojekte mit viel Eigeninvestition, in denen die vielen Anspielungen und Einflüsse einiger Aussagen nach eine Würdigung der Vorbilder sind. 
Hie und Da Niveaugefälle zwischen den Darstellern waren ihnen dementsprechend anzumerken - im positiven, wie negativem Sinne - aber auch zu erwarten, wohingegen es an Enthusiasmus und Wortwitz nie mangelte. Die Ring-Stars haben die Zeit genutzt, um ihr Stück von 2010 von grundauf zu überarbeiten und zu erweitern. Um ihr Stück herum hat das Ensemble um Regisseur Marc Blasweiler einen ganzen Kosmos kleiner Details, Begriffe, Geschichten und Mechanismen ihrer erfundenen Welt erschaffen, der einfach "funktioniert" und dessen Lebendigkeit und Eigenständigkeit man auf der Bühne trotz der vielen Dejà Vues spüren und entdecken kann und auch und gerade für Rollenspieler inspierend sein kann.
Die Arbeit zeigte sich nicht zuletzt in einer vielseitigen, szenenreichen und requisitenreichen Bühnenkulisse, sowie Ausstattung und Choreographie. Lediglich das Licht der Art "hauptsache bunt" hätte ein paar knallige Farben weniger vertragen können. Kudos an die Manschaft des KUZ, die die aufwändige Veranstaltung ohne nennenswerte Störungen unbemerkt von Auge und Ohr der Besucher fuhren.
Die Musik und Lieder des Komponisten Jan Glembotzki (von Solisten für die Darsteller als Playback eingesungen) schlagen ohne Rücksicht auf Verluste Bögen zwischen Rock- "Metal" und Folkpop, von Horn bis E-Gitarre, was wohl etwas Gewöhnung bedarf bzw. Fassung, wenn man mit leichtem Fremdscham ungewollt an seine naiven Blind Guardian Zeiten erinnert wird. Gleichsam tun es die Texte mit manchmal seltsamem Rhythmus- und Wortverständnis und Reimen nach dem Motto "Reim' dich oder ich fress' dich", die mit ihren zahlreichen Fantasybegriffen und Floskeln für nicht "Eingeweihte" sicher manchmal albern und verwirrend wirken könnten. Aber ich bin eben auch kein Musicalanhänger.
Wirklich zu kritisieren war hier aber lediglich der ohrenbetäubende Lautstärkepegel, der auch schonmal den ein oder anderen Liedtextfetzen schluckte. Nichtsdestotrotz hat die kraftvolle Musikuntermalung Ohrwurmqualität und reißt das Publikum durch alle dramatischen und ruhigen Momente mit.

(Cysalion Trailer 2010 - Quelle: Youtube:Cysalion)

Insgesamt ein harmloser Familienspaß für junge Zuschauer ab 12 oder jung Gebliebene, für den sich auch anspruchsvollere Möchtgern-Beatniks nicht zu schade sein müssen. Dementsprechend war der stehende Begeisterungssturm der Zuschauer zum Ende ein verdienter Applaus an die engagierte Truppe und man konnte den Saal mit diesem aufgeputschten, guten "Bitte bald mehr davon"-Gefühl verlassen.

Da die Veranstaltung mit Kameras aufgezeichnet wurde, sollten Interessierte am Ball bleiben, bis sich eine neue Gelegenheit für einen Besuch ergibt. 

Kommentare:

  1. Leider hat sich ein Fehlerteufel eingeschlichen!

    Der Autor ist nicht Jan Glembotzki, denn er ist der Komponist. Die Autoren sind Marc Blasweiler und Peter Groß-Paaß :) Also nix mit Co. Autor und so! Die WAZ hat es falsch geschrieben. Hier die richtige Quelle: http://www.cysalion.de/index.php?option=com_k2&view=item&layout=item&id=302&Itemid=581

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  2. Entschuldigung, das tut mir Leid und wird sofort korrigiert. In der Tat hatte ich mir dieselbe Frage gestellt.

    Da das in der WAZ genauso dargestellt, das hat mich extrem irritiert.
    komplizierte Sache das. Selber Schuld, wenn man nicht auf seine eigene Recherche vertraut.

    bin gespannt, was noch daraus wird und viel Erfolg :D

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  3. Und das war Dein letzter Beitrag seit Monaten? A voice to be missed.

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  4. Keine Sorge, Unkraut vergeht nicht ;)

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